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Wechselwirkungen bei der Verordnung von Neuropsychopharmaka
13.12.2023 - 11:07

Wechselwirkungen bei der Verordnung von Neuropsychopharmaka

Bei der gleichzeitigen Einnahme verschiedener Medikamente kann es zu unerwünschten und bisweilen gesundheitsschädlichen Wechselwirkungen kommen. Wie lassen sich solche Risiken für die Patienten und Patientinnen minimieren?

Rund jeder vierte Deutsche nimmt mehr als drei Medikamente parallel ein, jeder zehnte mindestens fünf. Fachleute sprechen in letzterem Fall von Polymedikation oder Polypharmazie. Diese ist besonders in der Altersgruppe der über 65-Jährigen weit verbreitet. Auch bei der Behandlung von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen ist eine Kombinationstherapie mit mehreren Wirkstoffen eher die Regel als die Ausnahme. Weil sich Medikamente gegenseitig beeinflussen können – sich beispielsweise in ihrer Wirkung verstärken oder abschwächen – steigt mit jedem zusätzlich eingenommen Mittel die Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Nebenwirkungen. Diese können erhebliche gesundheitliche Schäden und beträchtliche Zusatzkosten für das Gesundheitssystem verursachen.

Bereits 2007 trat daher der erste Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland in Kraft. Aktuell – von 2021 bis 2024 – wird der fünfte Plan umgesetzt. Er beinhaltet 42 Maßnahmen, deren wesentliches Ziel es ist „die auf Medikationsfehlern basierenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) zu vermeiden und damit die Arzneimitteltherapiesicherheit, kurz AMTS, zu verbessern“. Daneben sollen „die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten sowie die Patientenorientierung im Gesundheitswesen gestärkt, die interprofessionelle Zusammenarbeit gefördert und die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden“, heißt es im Aktionsplan.

Um zwischen den beiden Berufsgruppen Apotheker und Arzt einen engen Austausch zu etablieren, wurde von 2014 bis 2022 das Modellvorhaben Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) durchgeführt. Kernstück ist ein vollständiger, aktueller und auf mögliche Risiken geprüfter Medikationsplan, der gemeinsam von Arzt und Apotheker erstellt wurde und anzeigt, welches Medikament in welcher Dosierung wann und wie lange eingenommen werden soll. Und die Maßnahme zeigte Wirkung: Die Patienten aus der ARMIN-Gruppe wiesen eine um 16 Prozent verringerte Sterblichkeit gegenüber einer Kontrollgruppe auf.

Dr. Benedikt Stegmann, Leiter der Marien-Apotheke und der Reichsstadt-Apotheke in Rothenburg o.d.T. sowie Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Klinische Pharmakologie/Psychopharmakologie der Universität Regensburg, setzt sich schon lange für eine höhere AMTS ein. Im Symposium referiert Stegmann über die Möglichkeiten und Werkzeuge, mit denen sich potenzielle Wechselwirkungen von Medikamenten in der öffentlichen Apotheke ermitteln lassen. Dazu zählt etwa die internetgestützte Datenbank PSIAC, die er zusammen mit anderen Experten betreut und die Apotheker und Ärzte nutzen können, um die Wechselwirkungen zwischen Psychopharmaka untereinander und mit anderen Medikamenten abzufragen. Die Plattform spiegelt dabei den aktuellen Stand der Wissenschaft wider.

Marina Stegmann, Fachapothekerin für Klinische Pharmazie, leitet die Abteilung Krankenhausversorgung der Marien-Apotheke in Rothenburg o.d.T. Die Marien-Apotheke versorgt insgesamt zwölf Krankenhäuser im Umland mit Arzneimitteln und Medizinprodukten und betreut diese pharmazeutisch, unter anderem mittels digitalem Medikationsmanagement. Wie lässt sich eine solche engmaschige pharmazeutische Betreuung am besten umsetzen, um die AMTS zu erhöhen? Marina Stegmann klärt auf.

Einer der Begründer von PSIAC ist Professor Christoph Hiemke, ehemaliger Leiter des Neurochemischen Labors an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Er hat jahrzehntelang zu Arzneimittelwechselwirkungen geforscht und wesentlich zur Entwicklung des Therapeutischen Drug Monitorings (TDM) von Psychopharmaka beigetragen. Seiner Erfahrung nach liefern Datenbanken Hinweise auf potentiell klinisch relevante Wechselwirkungen. Aber laut Hiemke lässt sich noch mehr tun, um Polypharmazie möglichst sicher anzuwenden. Was empfiehlt er also Ärzten und Apothekern, wenn sie Psycho- oder Neuropharmaka verordnen? Wie lässt sich ihre Zusammenarbeit weiter verbessern? 

Ein Symposium über die Herausforderungen der Polymedikation bei der Behandlung von Gehirnerkrankungen und die verschiedenen Möglichkeiten, das gesundheitliche Risiko für die Patienten zu minimieren.

 

Quellen:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/561628/umfrage/bevoelkerungsanteil-in-deutschland-nach-anzahl-eingenommener-medikamente/

https://www.akdae.de/amts/aktionsplan/aktionsplan-2021-2024 

https://www.abda.de/themen/arzneimitteltherapiesicherheit/abda-kbv-modell/armin/

https://www.psiac.de